Bauhaus Akademie Schloss Ettersburg, Signet

Bauhaus Akademie Schloss Ettersburg

Nachhaltigkeit in der Landschaftsarchitektur

Seminar

020312 P-NB

Zielgruppe: Architekten, Ingenieure, Sachverständige

Freitag, 02.03.2012 (KW 09) ▪ 09:00–16:30 Uhr

8 Fortbildungsstunden ▪ Anmeldeschluss: 13.02.2012

Entgelt: 100/ 110/ 125/ 150 Euro

hat bereits stattgefunden

Landschaftsarchitektur bzw. Freiraumplanung wird von der Öffentlichkeit, wie von den Akteuren selber, weitgehend als „grüne“ Profession wahrgenommen, die per se „nachhaltig“ ist. Durch den interdiziplinären Ansatz der Ausbildung sowie die breit gestreuten Tätigkeitsfeldern von Garten- und Landschaftsarchitekten ist ein guter Grundstock zur Berücksichtigung von Umwelthemen und damit der Nachhaltigkeit von Planungen gelegt. Insbesondere im Rahmen von Renaturierungsplanungen oder naturnahen Außenanlagen verbraucht Landschaftsarchitektur in der Tendenz weniger Resourcen als sie schafft.

Trotz der genannten guten Voraussetzungen muss konstatiert werden, dass, insbesondere im Bereich befestigter Außenanlagen und Baukonstruktionen, in Teilen ein noch zu geringes Wissen um die Wirkungen planerischer Entscheidungen in Bezug auf Umwelt, Pflege- und Unterhaltung sowie langfristiger Auswirkungen herrscht. Zu nennen sind Effekte von Flächenversiegelungen, Wirkungen auf die globale Umwelt aufgrund von Materialentscheidungen oder relativ schwer zu unterhaltenden Bauweisen. Hier kann der Ansatz des Nachhaltigen Bauens, der ökologische, ökonomische, soziokulturelle und Prozessqualitäten ganzheitlich und gleichberechtigt betrachtet, einen wichtigen Beitrag zur Optimierung von Planungen leisten.

Bei den eingeführten Bewertungssystemen zum Nachhaltigen Bauen ging es bisher im Schwerpunkt um die Energieeffzienz von Gebäuden und deren Optimerung im Hinblick auf Lebenszykluskosten. In Deutschland lag der Schwerpunkt auf der Bewertung von Büro- und Verwaltungsbauten mit der Systemgrenze „Haus“. Dies führte dazu, dass innerhalb des „Green Building“, Grünplanung nicht oder nur eine untergeordnete Bedeutung hatte. Selbst vorbildliche Planungen, z.B. im Rahmen der Realisierung von naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen, sind nicht oder nur in geringen Umfang in die Bewertung der Gebäude eingeflossen.

Durch die Weiterentwicklungen der Bewertungssysteme auf andere Bauformen, wie Bildungsbauten und Stadtquartiere, rückt der Außenraum aktuell stärker ins Blickfeld. Auch sind Initiativen zu beobachten, die unmittelbar Außenanlagen betreffen: Zu nennen sind die Sustainable Sites Initiative (S.I.T.E.S) aus den USA und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) für Außenanlagen des BMVBS, welches versucht, den Nachhaltigkeitsansatz auf die Planung und den Betrieb von Außenanlagen und Liegenschaften des Bundes zu übertragen.

Das Seminar soll die Teilnehmer, nach einer Einführung in die Grundlagen des Nachhaltiges Bauens und dessen Relevanz für die Landschaftsarchitektur, in die Lage versetzen, die vorhandenen bzw. gegenwärtig in Entwicklung befindlichen Bewertungsysteme im planerischen Alltag anzuwenden. Ziel ist es, die Gestaltungsspielräume, aber auch die Regelungslücken der Systeme kennenzulernen. Hierbei sollen in Dialogform unter den Teilnehmern eigene Planungsansätze in Bezug auf die Prinzipien des Nachhaltigen Bauens kritisch hinterfragt und Lösungsansätze entwickelt werden. Hier ist insbesondere der Ansatz der Lebenszyklusbetrachtung wichtig, da er über die klassische Objektplanung mit den Leistungsphasen 1-9 nach HOAI deutlich hinausgeht. Um dies planerisch berücksichtigen zu können und um Bauherr, Nutzer und Planungspartner fachgerecht beraten zu können, ist eine gezielte Schulung erforderlich.

Zielgruppe der Fortbildungsveranstaltung sind neben Garten- und Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Hochbauarchitekten, die im Zuge von interdisziplinären Kooperationen oder der Bewertung der Nachhaltigkeit von Projekten, Kontakt mit Themen der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung haben.

Der Referent ist planender Landschaftsarchitekt mit Büro in Berlin und baut in die Fortbildungsveranstaltung eigene Projekte, die meist in interdiziplinärer Zusammenarbeit entstanden sind, ein. Als Autor des im Auftrag des Bundesbauministeriums entstandenen „Leitfaden Nachhaltiges Bauen von Außenanlagen“ sowie der Erweiterung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) des BMVBS auf Außenanlagen werden den Teilnehmern aktuelle Tendenzen und Verfahren vermittelt.